
Süßstoffe und Krebsverdacht
Einigen Süßstoffen haftet heute immer noch das alte und wissenschaftlich längst widerlegte Vorurteil an, dass sie Krebs verursachen könnten.
Saccharin
Saccharin wird seit mehr als einem Jahrhundert verwendet, ohne dass für den Menschen nachteilige Effekte bekannt geworden sind. Innerhalb dieses großen Zeitraums wurden viele experimentelle Untersuchungen und klinische Prüfungen zu dieser Substanz durchgeführt (1-3). Die Sicherheit von Saccharin wurde in den siebziger Jahren insbesondere aufgrund einer kanadischen Studie kurzzeitig in Frage gestellt. Nach der Gabe sehr hoher, für den Menschen irrelevanter Saccharin-Mengen an Ratten, wurde bei den Tieren vereinzelt Blasentumore diagnostiziert (4). Alle seither vorgenommenen wissenschaftlichen Untersuchungen zeigen, dass dieser Effekt nur bei Ratten auftritt, denen extrem hohe Dosen an Saccharin gegeben wurden. Die Sicherheit von Saccharin für den Menschen im Rahmen des üblichen Verzehrs wurde vielfach bestätigt (5). Mehr als 20 Untersuchungen an Menschen, wie auch eine englische Studie an Diabetikern, erbrachten keinen kausalen Zusammenhang zwischen der Einnahme von Saccharin und Krebsentstehung (6).
Cyclamat
Die Ergebnisse von annähernd 80 wissenschaftlichen Untersuchungen beweisen die Unbedenklichkeit von Cyclamat für die menschliche Gesundheit (7-9). Ende der sechziger Jahre kamen jedoch Bedenken über einen möglichen Zusammenhang zwischen Cyclamat und Blasenkrebs auf, die durch eine Studie hervorgerufen wurde, bei der Ratten lebenslang extrem hohe Mengen der Natriumsalze von Cyclamat und Saccharin verabreicht wurden (10). Umgerechnet auf den Menschen entsprach diese Dosis einem täglichen Verzehr von ungefähr 4000 bis 5000 Süßstofftabletten, was einer Ration von 20 Kilogramm Zucker gleichkommt. Langzeitstudien zeigen, dass Cyclamat weder eine chemisch-toxische, noch eine kanzerogene Wirkung hat (1, 11).
Aspartam
Seit der Veröffentlichung von OLNEY im Jahre 1996 ist eine Diskussion zu Aspartam und Gehirntumor entstanden (12). OLNEY behauptete, dass ein Zusammenhang zwischen dem vermehrten Auftreten von Hirntumoren seit dem Jahr 1985 und der Einführung des Süßstoffes Aspartam auf dem amerikanischen Markt 1981 bestehe. Dieser rein statistische Zusammenhang wurde allerdings in keiner Weise unter Beweis gestellt. In dieser Studie wurde nicht erhoben, ob die betroffenen Patienten jemals Aspartam konsumierten, oder ob das vermehrte Auftreten von Gehirntumoren auch in der Gruppe zu verzeichnen war, in der am ehesten Aspartamverwender zu finden waren. Von Seiten der amerikanischen Lebensmittelbehörde (FDA) wurden die Behauptungen von OLNEY entschieden zurückgewiesen. Ebenso bestätigten die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) und das Bundesinstitut für Verbraucherschutz die Unbedenklichkeit von Aspartam.
Literatur
1. SCHMÄHL D., HABS M.; 1984: Investigations on the carcinogenicity of the artificial sweeteners sodium cyclamate and sodium saccharin in rats in a two-generation experiment. Arzneimittel-Forschung 34, S. 604 - 606
2. HERBOLD B.A.; 1981: Studies to evaluate artificial sweeteners, especially Remsen-Fahlberg saccharin, and their possible impurities, for potential mutagenicity by the Salmonella/mammalian liver microsome test. Mutation Research 90, 365 - 372
3. MACHEMER L., LORKE D.; 1973: Dominant lethal test in the mouse for mutagenic effects of saccharine. Humangenetik 19, 193 - 198
4. ARNOLD D.L., MODDIE C.A., GRICE H.C., CHARBONNEAU S.M., STAVRIC B., COLLINS B.T., McGUIRE P.F., ZAWIDZKA Z.Z., MUNRO I.C.; 1977: Long-term toxicity of ortho-touenesulonamide and sodium saccharin in the rat. Toxicology and Applied Pharmacology 52, 113 - 152
5. BUNGARD G.; 1973: Fehlen einer cancerogenen Wirkung bei Saccharin und Saccharinnatrium, Cyclamaten, ihren möglichen Stoffwechselmetaboliten Cyclohexylamin sowie einer Mischung aus 10 Teilen Natriumcyclamat und einem Teil Saccharinnatrium - Teil I. Der deutsche Apotheker 25, S. 738 - 753
6. ARMSTRONG B, LEA A.J., ADELSTEIN A.M., DONOVAN J.W., WHITE G.C., RUTTLE S.; 1976: Cancer mortality and saccharin consumption in diabetics. British Journal of Preventive and Social Medicine 30, S. 151 - 157
7. BUNGARD G.; 1974: Fehlen einer cancerogenen Wirkung bei Saccharin und Saccharinnatrium, Cyclamaten, ihren möglichen Stoffwechselmetaboliten Cyclohexylamin sowie einer Mischung aus 10 Teilen Natriumcyclamat und einem Teil Saccharinnatrium - Teil II. Der deutsche Apotheker 26, S. 20 - 27
8. BUNGARD G.; 1974: Fehlen einer cancerogenen Wirkung bei Saccharin und Saccharinnatrium, Cyclamaten, ihren möglichen Stoffwechselmetaboliten Cyclohexylamin sowie einer Mischung aus 10 Teilen Natriumcyclamat und einem Teil Saccharinnatrium - Teil III. Der deutsche Apotheker 26, S. 66 - 75
9. SCHMÄHL D., KRÜGER F.W.; 1972: Fehlen einer synkarzinogenen Wirkung von Cyclamat bei der Blasenkrebserzeugung mit Butyl-butanol-nitrosamin bei Ratten. Arzneimittel-Forschung 22, S. 999 - 1000
10. PRICE J.M., BIAVA C.G., OSER B.L., VOGIN E.E., STEINFELD J., LEY H.L.; 1970: Bladder tumors in the rats fed cyclohexylamine or high doses of a mixture of cyclamate and saccharin. Science 167, 1131 - 1132
11. SCHMÄHL D.; 1973: Fehlen einer karzinogenen Wirkung von Cyclamat, Cyclohexylamin und Saccharin bei Ratten. Arzneimittel-Forschung 23, 1466 - 1470
12. OLNEY J.W., FARBER N.B., SPITZNAGEL E., ROBINS L.N.; 1996: Increasing brain tumor rates: Is there a link to aspartame? Journal of Neuropathology and Experimental Neurology 55, 1115 - 1123





