Vorurteile

Macht Süßstoff hungrig?

Die Mediziner und Ernährungsexperten sind sich sicher, dass Süßstoffe weder Hunger verursachen, noch die Entstehung von Übergewicht fördern (1-3).

Da Süßstoffe, mit Ausnahme von Aspartam und Thaumatin, kalorienfrei sind, können sie auch nicht dick machen. Die kalorienliefernden Süßstoffe werden aufgrund ihrer hohen Süßkraft in nur sehr geringen Mengen eingesetzt, so können die daraus resultierenden Kalorien durchaus vernachlässigt werden. Wird ein Teil des täglichen Zuckerkonsums von durchschnittlich 100 g pro Person durch Süßstoff ersetzt, lassen sich allein dadurch täglich zwischen 200 und 400 kcal einsparen.

Die Rolle der Süßstoffe, als unterstützender Faktor für die Gewichtskontrolle, wurde in einer Untersuchung des Psychologen BLUNDELL in Frage gestellt (4). In dieser Studie gaben die Testpersonen an, nach Verabreichung von wässriger Aspartam-Lösung und nach Verzehr von Saccharin-gesüßtem Joghurt, ein verstärktes Hungergefühl zu verspüren.

Als Erklärung für die Appetitanregung prägten Wissenschaftler den Begriff des „cephalischen Insulinreflex". So soll der Organismus nach der Aufnahme einer süßen Substanz, egal ob Zucker oder Süßstoff, automatisch Insulin ausschütten. Dadurch würde der Blutzuckerspiegel sinken und ein Hungergefühl ausgelöst werden. Da die angeblich ausgelöste Insulinsekretion und der dann absinkende Blutzuckerspiegel nur vermutet und nicht wissenschaftlich belegt wurde, haben die Arbeitsgruppen von HÄRTEL und STEINIGER dies in ihren Studien nachgeholt (5,6). Die Ergebnisse der Untersuchungen zeigten, dass Süßstoffe weder eine cephalische Insulinsekretion auslösen, noch zu einer Änderung des Blutglukosespiegels führen. Folglich fördern Süßstoffe weder den Hunger noch den Appetit. Zu denselben Ergebnissen kam auch FÖRSTER in seiner Studie zum Einfluß des Aspartams auf den Appetit (7).

Nach wie vor müssen Süßstoffe bewußt in die Ernährung eingebaut werden. Es sollte vermieden werden, dass die eingesparten Kalorien durch erhöhte Zufuhr anderer Energieträger kompensiert werden. Wer abnehmen möchte, sollte Süßstoffe nicht dazu missbrauchen, das Doppelte oder Dreifache der gewohnten Portion zu essen.

Literatur
1. ROLLS B.J.; 1991: Effect of intense sweeteners on hunger, food intake and body weight: a review. American Journal of Clinical Nutrition 53, S. 872 - 878

2. RENWICK A.G.; 1994: Intense sweeteners, food intake, and the weight of a body of evidence. Physiology & Behaviour 55, S. 139 - 143

3. DREWNOWSKI A.; 1995: Intense sweeteners and the control of appetite. Nutrional Reviews 53, S. 1 - 7

4. ROGERS P.J., BLUNDELL J.E., HILL A.J.; 1988: Uncoupling sweet taste and calories: comparison of the effect of glucose and three sweeteners on hunger and food intake. Appetite 11, S. 54 - 61

5. HÄRTEL B., GRAUBAUM H.-J., SCHNEIDER B.; 1993: Einfluß von Süßstoff-Lösungen auf die Insulin- sekretion und den Blutglucosespiegel. Ernährungs-Umschau 40, S. 152 - 156

6. STEINIGER J., GRAUBAUM H.J., STEGLICH H.D., SCHNEIDER A., METZNER C.; 1995: Gewichtsreduktion mit saccharose- oder süßstoffhaltiger Reduktionskost? Ernährungs-Umschau 42, S. 430 - 437

7. FÖRSTER H.; 1993: Einfluß des Süßstoffs Aspartame auf den Appetit. Aktuelle Ernährungs-Medizin 18, S. 331 - 337

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