
Süßstoffe in der Ernährung von Kindern
Häufig bekommen wir die Anfrage, ob Süßstoffe in der Ernährung von Kindern eingesetzt werden dürfen.
Süßstoffe sind auf jeden Fall zum Einsatz in der Kinderernährung geeignet. Grundsätzlich jedoch sollte eine Gewöhnung der Kinder an einen übermäßig süßen Geschmack vermieden werden. Dies hat ernährungspädagogische Gründe. Das Verlangen nach süßem Geschmack ist uns allen angeboren. Kinder sollten jedoch so früh wie möglich lernen mit der natürlichen Süße von Lebensmitteln, z.B. der von Obst, auszukommen und mit Süßigkeiten maßvoll umzugehen. Durch die Verwendung von Süßstoffen können sich Kinder, ebenso wie durch Zucker, zu sehr an die Geschmacksrichtung „süß" gewöhnen.
Eine gesundheitliche Bewertung der Süßstoffe für Kinder ist indirekt mit Hilfe der sogenannten ADI-Werte (ADI = Acceptable Daily Intake) möglich. Sie bezeichnen die Menge eines Zusatzstoffes in Milligramm pro Tag und Kilogramm Körpergewicht, die ohne Bedenken über die gesamte Lebenszeit aufgenommen werden kann. Es handelt sich hierbei nicht um einen Grenzwert für die Verträglichkeit oder gar einen toxischen Grenzwert, es ist vielmehr eine Art Sicherheitsgarantie, die auf den täglichen, lebenslangen Konsum ausgerichtet ist. Da sich die ADI-Werte auf das Körpergewicht beziehen, sind die absoluten Werte für Kinder weit niedriger als für Erwachsene. Bei der Erstellung der ADI-Werte wurde ein 100-facher Sicherheitsfaktor einkalkuliert, der speziell empfindliche und besonders schutzbedürftige Verwender wie Kinder, Kranke oder ältere Personen berücksichtigt.
In nachfolgender Tabelle sind die Mengen der einzelnen Süßstoffe angegeben, die Personen mit entsprechendem Körpergewicht jeden Tag über die gesamte Lebenszeit aufnehmen können, ohne dass der ADI-Wert dabei überschritten wird. Außerdem ist zu entnehmen, welche Menge Zucker dadurch ersetzt werden kann.
Praktisches Beispiel:
Bei einem 30 kg schweren Kind liegen, wie der Tabelle zu entnehmen, die ADI-Werte für Cyclamat bei 210 mg und für Saccharin bei 150 mg. Erreichbare Zuckeräquivalente1 im Rahmen der ADI-Werte
| Täglicher ADI-Wert pro kg Körpergewicht |
Acesulfam 9 mg |
Aspartam 40 mg | Cylclamat 7 mg |
Saccarin 5 mg | Neohesperidin DC 5 mg | Sucralose 15 mg |
| Säugling (5 kg) = Zuckeräquivalent |
81 mg 16,2 g |
200 mg 40 g |
35 mg 2,2 g |
25 mg 14 g |
25 mg 150 g |
135 mg 81 |
| Kleinkind (15 kg) = Zuckeräquivalent | 135 mg 27 g |
600 mg 120 g |
105 mg 3,6 g |
75 mg 41 g |
75 mg 45 g |
225 mg 135 g |
| Kind (30 kg) = Zuckeräquivalent |
270 mg 54 g |
1200 g 240 g |
210 mg 7,4 g |
150 mg 82 g |
150 mg 90 g |
450 mg 270 g |
| Kind (45 kg) = Zuckeräquivalent |
405 mg 81 g |
1800 mg 360 g |
315 mg 11 g |
225 mg 123 g |
225 mg 135 g |
675 mg 40 g |
| Erwachsener (70 kg) = Zuckeräquivalent |
630 mg 126 g |
2800 mg 560 g |
490 mg 17 g |
350 mg 193 g |
350 mg 210 g |
1050 mg 630 g |
1 Der Begriff „Zuckeräquivalent" bezeichnet die Menge an Zucker, die eingesetzt werden muss, um dieselbe Süßkraft zu erzielen, wie sie die angegebene Süßstoffmenge erzeugt.
Der natürliche Süßstoff Thaumatin ist nach langer Prüfung auch in hohen Dosen als absolut sicher erklärt worden, daher wurde kein ADI-Wert festgelegt.
Eltern sollten die Ernährung ihrer Kinder stets im Auge behalten, um einer Über- oder Fehlernährung vorzubeugen. Heutzutage essen Kinder häufig zu viel und zu fett. Bei der Auswahl der Lebensmittel sollte immer auf einen ausreichenden Gehalt an Vitaminen und Mineralstoffen geachtet werden. Darüber sollten sich die Eltern mit ihren Kindern ausreichend bewegen, da die Kinder sonst schnell übergewichtig werden können. Bei Kindern, die zu Übergewicht neigen, bildet eine ausgewogene Mischkost kombiniert mit viel Bewegung, eine gute Basis für ein gesundes Leben.
Informationen aus:
· Alexy U., Kersting M., Schöch G.; 1996: Süßstoffe in der Ernährung von Säuglingen und Kindern. Ernährungs-Umschau 43, 358 - 360
· Alexy U., Kersting M., Schöch G.; 1996: Süßstoffe in der Ernährung von Kindern. Diät + Information 6, 208 - 209
· Ditscherlein E., Lentze M.J.; 1996: Geschmacksempfindung und - entwicklung im Kindesalter. Monatsschrift der Kinderheilkunde 144, S177 - S183





