
Süßstoff und abführende Wirkung
In Bezug auf Durchfallerkrankungen werden die Wirkungen von Süßstoffen (Acesulfam, Aspartam, Saccharin, Cyclamat, Neohesperidin DC, Thaumatin, Aspartam-Acesulfam-Salz und Sucralose) oft mit denen der Zuckeraustauschstoffe verwechselt.
Aufgrund der besonders langsamen Resorption der Zuckeraustauschstoffe (Sorbit, Xylit, Mannit, Maltit, Lactit und Isomalt) gelangen diese in tiefere Abschnitte des Dickdarms und können so zu osmotischen Durchfällen und Blähungen führen. Eine Einzeldosis von 10 bis 15 Gramm sollte daher nicht überschritten werden. Daher schreibt das Lebensmittelrecht für den Einsatz von Zuckeraustauschstoffen in Lebensmitteln den Hinweis "Kann bei übermäßigem Verzehr abführend wirken" auf der Produktpackung vor.
In praxisüblichen Dosierungen von Süßstoffen, wie beispielsweise in natreen, kommt es nicht zu dieser abführenden Wirkung.
Lediglich für sehr hohe Natrium-Cyclamatdosen wurden in der Literatur abführende Wirkungen beschrieben. So konnten in einer Studie an Hunden, denen Na-Cyclamatmengen in einer Höhe von 2 bis 4 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht verabreicht wurde, Durchfälle beobachtet werden (2). Dies würde einer Aufnahme von 50 - 100 Süßstofftabletten entsprechen. Weitere Autoren berichten über eine Zunahme des Feuchtigkeitsgehalts des Stuhls, jedoch ohne Veränderung der Häufigkeit des Durchgangs. So ergab eine Untersuchung an einer großen Personengruppe diese Veränderung des Stuhls, wenn die Versuchspersonen täglich 10 bis 12 Gramm Kalzium-Cyclamat aufgenommen haben. Cyclamat selbst führt nicht zu der laxierenden Wirkung und es wird davon ausgegangen, dass die Wirkung großer Dosen Natriumcyclamat auf einen Salzeffekt in ähnlicher Weise wie bei Natriumsulfat (Glaubersalz) zurückzuführen ist (2).
In Bezug auf Saccharin-Natrium wird über eine Beeinflussung der Verdauung in Form von Durchfällen erst bei einer täglichen Aufnahme von über 25 g berichtet. In einer weiteren Studie wurden Durchfälle durch Saccharin-Natrium in einer Dosierung von 4 Gramm pro Kilogramm Körpergewicht hervorgerufen. Bezogen auf ein Körpergewicht von 70 kg würde diese Dosis einer Menge von über 70.000 natreen-Tabletten entsprechen. Die Aufnahme derartiger Mengen über die Ernährung ist niemals möglich, so dass Durchfälle durch Saccharin auszuschließen sind.
Für die anderen zugelassenen Süßstoffe, wie Aspartam, Acesulfam K, Neohesperidin DC, Thaumatin, Aspartam-Acesulfam-Salz und Sucralose, wurde in der Literatur keine abführende Wirkung beschrieben.
Literatur
1. Bungard G.; 1968: Die Süßstoffe - Teil IV b Die Cyclamate - Die physiologische Unbedenklichkeit der Cyclamate. Der deutsche Apotheker 20, S.1-6
2. Bungard G.; 1971: Die physiologische Unbedenklichkeit des Saccharins. Der deutsche Apotheker 23, S.1-12





